Mut statt Wut
IntegRADler: Erste Generation

Von Eva Zelechowski


  • Mit dem Fahrrad die neue Heimatstadt kennenlernen und mobiler werden -
    Projekt "IntegRADsion" stellt jungen Flüchtlingen Räder zur Verfügung.

Als Radfahrer in die Gesellschaft eintauchen und täglich ein Stück der neuen Umgebung entdecken. - © Flickr, Maik Meid

Als Radfahrer in die Gesellschaft eintauchen und täglich ein Stück der neuen Umgebung entdecken. © Flickr, Maik Meid

Der Wind pfeift dir um die Ohren und du kurvst vogelfrei durch die Straßen. Diese Freiheit und die Möglichkeit, sich mobil im Alltag zu bewegen und gleichzeitig aktiver Teil des umtriebigen Großstadtlebens zu sein assoziieren viele Radler und Radlerinnen mit ihrem Drahtesel. Auch Anna Eder, eine Wiener Arabistik-Studentin, kennt dieses Freiheitsgefühl gut und weiß, wie schön es ist, eine Stadt auf dem Fahrradsattel zu entdecken. Die 20-Jährige hat das Projekt "IntegRADsion" auf die Beine gestellt, in dem sie Räder für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge organisiert. Doch dabei bleibt es nicht, ein ganzes Paket beinhaltet ihr Konzept. "Ich bin daran interessiert, jungen Flüchtlingen dieselbe Lebensqualität zu vermitteln, wie sie die meisten von uns genießen. Oder zumindest ein Stück davon", sagt Eder zur "Wiener Zeitung". Mit dem besten Fortbewegungsmittel, dem Rad, wie sie auf ihrer Homepage schreibt, kann mit gewisser Unbeschwertheit ein Zugehörigkeitsgefühl zur neuen Umgebung entstehen.

 

Information

IntegRADsion
"tralalobe" Haus Mödling der Diakonie für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

In Workshops lernen, wie man Patschen flickt

Unterstützt wird die junge Frau von Bekannten mit dem nötigen Know-How, die selbst sehr aktiv in der Radszene engagiert sind und etwa in der Werkstatt "Radlager" arbeiten. Sie werden künftig als Betreuer an Workshops dabei sein, um den Jugendlichen zu zeigen, wie man selbst einen Patschen flickt und andere Reparaturen am Fahrrad durchführt. "Sechs Burschen zwischen 15 und 17 Jahren sind mittlerweile fix dabei, alle aus Afghanistan", erzählt die Studentin, die die Jugendlichen über das "tralalobe" Haus Mödling der Diakonie kennengelernt hat. "Dort bin ich mit dem Projekt gleich auf große Begeisterung gestoßen, wahrscheinlich werden es noch viel mehr Teilnehmer", freut sich Eder. Dass es Jugendliche aus Mödling sind, sei auch besonders wichtig, da sie sich auf diese Weise am Stadtrand sehr unabhängig fortbewegen können. Einige von ihnen seien bald volljährig, würden nach Wien ziehen und könnten hier schnell Teil der urbanen Radler-Community werden. Das fördert Integration und Selbstbewusstsein.

Nach dem Motto "good news spread fast" haben sich schon einige vom Projekt "IntegRADsion" Begeisterte für den ersten Ausflug mit den Jugendlichen angemeldet. Bald soll es auch einen Newsletter geben, der Interessierte über weitere Workshop- oder Radpicknick-Termine informiert.